Blog zu Themen rund um Persönlichkeitsentwicklung und Coaching , Führungskräftetraining und Coaching, Unternehmerpersönlichkeit

Dieses Jahr war kein leichtes Jahr.

Aber es war eines, das Klarheit gebracht hat.

Ich habe Entscheidungen getroffen, die mir nicht leichtgefallen sind, die mich gefordert haben und die mir gleichzeitig sehr deutlich gezeigt haben, wofür ich stehe. In diesem persönlichen Jahresrückblick teile ich Gedanken, Erfahrungen und Erkenntnisse aus meiner Arbeit als Unternehmer und Coach – über Führung, Verantwortung und darüber, warum Klarheit oft dort entsteht, wo man bereit ist, ehrlich hinzuschauen.

 

Jahresrückblick Potenzialwerkstatt – ein Jahr der Klarheit, der Entscheidung und des inneren Wachstums

Wenn ich auf dieses Jahr zurückblicke, dann denke ich weniger in Projekten, Umsätzen oder Meilensteinen. Ich denke in Momenten. In Gesprächen, die länger gedauert haben als geplant. In Entscheidungen, die nicht aus dem Bauch heraus getroffen wurden, sondern aus einer Haltung heraus, die sich über Jahre entwickelt hat. Und ich denke an Phasen, die nicht leicht waren, die aber rückblickend genau richtig waren.

Dieses Jahr hat mir einmal mehr gezeigt, dass Entwicklung selten laut passiert. Sie zeigt sich leise, oft erst im Nachhinein, manchmal erst dann, wenn man bereit ist, ehrlich hinzuschauen und Dinge nicht mehr schönzureden.

Ich habe mit vielen Unternehmern und Führungskräften gearbeitet, die nach außen stabil wirkten und innerlich gemerkt haben, dass sich etwas verschoben hat. Rollen passten nicht mehr sauber. Verantwortung wurde getragen, aber nicht mehr bewusst gestaltet. Entscheidungen wurden getroffen, aber nicht mehr mit Klarheit. Genau dort setze ich an. Nicht mit schnellen Lösungen, sondern mit Raum für Reflexion, Einordnung und echte Orientierung.

Gleichzeitig war dieses Jahr auch für mich persönlich ein Jahr der Zumutung. Und ich meine das im besten Sinne. Ich habe eine Zusammenarbeit beendet, die über viele Jahre Bestand hatte, erfolgreich war und wirtschaftlich eine große Rolle gespielt hat. Ein Auftraggeber, der einen erheblichen Teil meines Umsatzes ausgemacht hat und mit dem viel Gemeinsames entstanden ist. Diese Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen. Im Gegenteil. Sie hat mich über Wochen beschäftigt, emotional gefordert und mir stellenweise den Schlaf geraubt.

Der Grund war kein Konflikt im klassischen Sinne. Es war vielmehr die Erkenntnis, dass sich die Herangehensweise, die Erwartungen und die Art der Zusammenarbeit zunehmend von dem entfernt haben, wofür ich stehe. Meine Werte, mein Verständnis von Entwicklung, von echter Begleitung und von respektvoller Zusammenarbeit waren nicht mehr deckungsgleich. Und irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich entscheiden muss, ob man weiter funktioniert oder ob man Haltung zeigt.

Diese Entscheidung hat Kraft gekostet. Und sie hat mir gleichzeitig sehr klar vor Augen geführt, wie wichtig die strategische Ausrichtung ist, die ich vor Jahren bewusst eingeschlagen habe. Keine Abhängigkeit von einem einzelnen Auftraggeber. Kein Klumpenrisiko, das im Zweifel die eigene Existenz bedroht. Heute trägt mich genau diese langfristige Strategie. Kein Kunde macht mehr als dreißig Prozent meines Jahresumsatzes aus. Diese Unabhängigkeit gibt mir nicht nur wirtschaftliche Stabilität, sondern vor allem innere Freiheit in meinen Entscheidungen.

Und vielleicht ist genau das die überraschendste Erkenntnis dieses Jahres: Während überall von Rezession, Zurückhaltung und Schlechtwetterprognosen gesprochen wird, wird 2025 für mich das umsatzstärkste Jahr meiner bisherigen Selbstständigkeit. Nicht, weil ich lauter geworden bin. Nicht, weil ich mich verbogen habe. Sondern weil Klarheit wirkt. Weil Haltung Vertrauen schafft. Und weil viele Unternehmen genau jetzt spüren, dass sie mehr brauchen als Konzepte und Maßnahmen.

Die Potenzialwerkstatt ist in diesem Jahr noch klarer geworden in dem, was sie ist und was sie bewusst nicht ist. Kein Methodenkoffer. Kein Trainingsanbieter von der Stange. Sondern ein Ort für ehrliche Entwicklung, für klare Gespräche und für Führung, die nicht auf Lautstärke, sondern auf Wirkung setzt. Ich arbeite mit Menschen, die Verantwortung tragen und bereit sind, sich selbst dabei nicht auszuklammern.

Dieses Jahr hat mich darin bestätigt, dass gute Führung Zeit braucht, Tiefe braucht und manchmal auch Mut, Dinge zu beenden, um Platz für Neues zu schaffen. Es hat mir gezeigt, dass wirtschaftlicher Erfolg und wertebasierte Entscheidungen kein Widerspruch sind, sondern sich gegenseitig stärken können, wenn man bereit ist, konsequent zu sein.

Ich gehe aus diesem Jahr mit Dankbarkeit. Für Vertrauen. Für Offenheit. Für Prozesse, die nicht immer bequem waren, aber ehrlich. Und mit einer großen Ruhe, die daraus entsteht, wenn man weiß, dass der eingeschlagene Weg trägt.

Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass dich ähnliche Fragen beschäftigen oder dass du an einem Punkt stehst, an dem Entscheidungen anstehen, die nicht nur wirtschaftlich, sondern auch menschlich tragfähig sein sollen, dann lohnt sich oft ein Gespräch. Nicht, um schnelle Antworten zu bekommen, sondern um Klarheit zu gewinnen.

Ein erfolgreiches gesundes und harmonisches 2026.

Dieter Schnaubelt und das Team der Potenzialwerkstatt

Bist Du bereit, Deine Führung auf ein neues Level zu heben?

Es gibt Tage, an denen man als Führungskraft das Gefühl hat, von einer Welle aus Aufgaben, Gesprächen und spontanen Anforderungen überrollt zu werden. Man arbeitet viel, man strengt sich an, man ist präsent und trotzdem verschiebt sich das Wesentliche nach hinten. Effizienz im Führungsalltag geht selten durch große Krisen verloren, sondern durch kleine Muster, die sich unbemerkt einschleichen.

Doch genau dort beginnt die Chance: Wenn Du diese Muster erkennst und bewusst umlegst, verändert sich Deine Wirksamkeit schneller, als Du denkst.

1. Fehlende Tagesplanung: wenn der Tag Dich führt statt Du den Tag

Ohne klare Planung starten viele Führungskräfte in einen Tag, der sie schon in den ersten Minuten verschluckt. E-Mails, spontane Fragen, sich überschneidende Aufgaben, alles wirkt wichtiger als das, was eigentlich bedeutsam wäre. So entsteht ein reaktiver Führungsstil, der viel Energie kostet und wenig Ergebnis bringt.

Damit Du wieder die Steuerung übernimmst, helfen vor allem folgende Ansätze:

  • Definiere am Vorabend drei Führungsaufgaben, die echte Wirkung erzeugen.

  • Blocke am Morgen feste Fokuszeiten, bevor Du Dich dem operativen Alltag widmest.

  • Starte bewusst nie mit E-Mails, sondern mit Deiner wichtigsten Aufgabe.

Diese drei Schritte verändern Deinen Tagesverlauf sofort hin zu mehr Klarheit und Souveränität.

2. Der klingelnde E-Mail-Eingang: ein leiser, aber zerstörerischer Störfaktor

E-Mails sind ein zentrales Arbeitsmittel, aber auch ein enormer Konzentrationskiller. Jede Benachrichtigung unterbricht Deinen Denkfluss, und jede Unterbrechung verlängert Aufgaben, die eigentlich schnell erledigt wären.

Ein professioneller Umgang mit E-Mails gelingt durch einfache Veränderungen:

  • Schalte alle Benachrichtigungen ab sowohl am Handy als auch am Laptop.

  • Lege zwei bis drei feste E-Mail-Zeitslots pro Tag fest.

  • Kommuniziere klar im Team, dass dringende Themen nicht per Mail, sondern persönlich oder telefonisch gemeldet werden.

So schützt Du Deine geistige Tiefe und wirst deutlich effizienter.

3. Das kleine Gespräch mit Kollegen: gut gemeint, aber oft zeitraubend

Viele kurze Unterhaltungen sorgen dafür, dass ein Arbeitstag in unzählige kleine Fragmente zerfällt. Selbst wenn jede Unterbrechung nur fünf Minuten dauert, summieren sie sich schnell zu Stunden – und reißen Dich immer wieder aus produktiven Phasen heraus.

Damit aus spontanen Gesprächen keine Zeitsenken werden, helfen klare Vorgehensweisen:

  • Definiere Fokuszeiten, in denen Du nicht gestört wirst.

  • Biete feste, kurze Check-in-Zeiten am Nachmittag an, um kleine Anliegen zu bündeln.

  • Vereinbare mit Deinem Team klare Regeln für spontane Themen.

So bleibt die Beziehung stark und Deine Effizienz ebenso.

4. Fehlende Gesprächsvorbereitung: wenn Führung ins Ungefähre läuft

Unvorbereitete Gespräche wirken wie ein Blindflug: Sie dauern länger, verlieren sich in Details und enden selten mit klaren Ergebnissen. Das führt dazu, dass Themen wieder auf dem Tisch landen, obwohl sie längst geklärt sein sollten.

Mit etwas Struktur kannst Du Gespräche deutlich wirksamer gestalten:

  • Klärung eines konkreten Gesprächsziels: Was soll am Ende erreicht sein?

  • Fokus auf eine klare Kernbotschaft: Was muss wirklich hängen bleiben?

  • Formulierung einer konkreten Vereinbarung: Was passiert, von wem, bis wann?

Diese Vorbereitung dauert nur wenige Minuten, spart aber enorm viel Zeit und Missverständnisse.

5. Unklare Prioritäten: wenn alles wichtig ist und das Wesentliche liegen bleibt

Viele Unternehmer verbringen ihren Tag mit Aufgaben, die dringend erscheinen, aber keinen echten Hebel bewegen. Ohne Prioritäten arbeiten sie unbewusst gegen ihre eigene Rolle und verlieren wertvolle Führungszeit.

Starke Priorisierung gelingt mit folgenden Leitlinien:

  • A-Aufgaben bewusst identifizieren: strategisch, unternehmerisch, nicht delegierbar.

  • B-Aufgaben konsequent delegieren: operativ, ausführbar durch das Team.

  • C-Aufgaben eliminieren oder automatisieren: administrative Tätigkeiten ohne Mehrwert.

  • Ein bewusstes Nein kultivieren: Priorität bedeutet Ausschluss, nicht Belastung.

So bekommt Führung wieder den Raum, den sie braucht.

6. Fokus auf Unbeeinflussbares: der stille Energieräuber

Einer der größten mentalen Belastungsfaktoren entsteht durch Themen, die außerhalb Deiner Einflussmöglichkeiten liegen: politische Beschlüsse, Verhalten einzelner Kunden, Marktentwicklungen.

Je mehr Energie Du in das Unbeeinflussbare investierst, desto weniger bleibt für das, was Du tatsächlich gestalten kannst.

Du gewinnst sofort mehr Klarheit, wenn Du Folgendes beachtest:

  • Unterscheide klar zwischen Einflussbereich, Kontrollbereich und Außenbereich.

  • Richte Deine Energie bewusst auf Themen, die Du verändern kannst.

  • Lass das los, was nicht in Deiner Macht liegt, mental wie organisatorisch.

Diese innere Klarheit ist einer der stärksten Hebel für mentale Stärke.

7. Zweifel an der eigenen Führungskompetenz: der leise, aber gefährliche Bremsklotz

Viele Führungskräfte zweifeln an sich, ohne darüber zu sprechen. Diese Zweifel beeinflussen Entscheidungen, schwächen Durchsetzungsvermögen und führen zu Konfliktvermeidung.

Doch Führung entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Bewusstsein.

Um Deine Führungsstärke bewusst weiterzuentwickeln, helfen besonders:

  • Regelmäßige Selbstreflexion mit klaren Leitfragen.

  • Austausch oder Coaching, um Muster sichtbar zu machen.

  • Bewusstmachen Deiner Stärken, statt Dich auf Defizite zu fokussieren.

  • Mut zu Entscheidungen, auch wenn nicht alle Informationen perfekt sind.

Mit jedem Schritt wächst Deine innere Sicherheit – und damit Deine Wirkung.

8. Fehlendes Vertrauen ins Team: der häufigste Effizienz-Engpass

Wenn Du zu viel selbst machst, wirst Du zum Flaschenhals. Nicht, weil Dein Team unfähig wäre, sondern weil Verantwortung nicht klar übertragen wurde.

Delegation ist kein Kontrollverlust, es ist gelebte Führung.

Delegation funktioniert besonders gut, wenn Du Folgendes berücksichtigst:

  • Formuliere klare Ziele statt Aufgabenlisten.

  • Lege eindeutige Verantwortlichkeiten fest.

  • Gib realistische Zeitrahmen vor.

  • Vertraue bewusst statt permanent zu kontrollieren.

So wächst Dein Team und Du entlastest Dich selbst spürbar.

Fazit: Effizienz beginnt mit Bewusstsein und endet mit Klarheit

Es sind die alltäglichen Muster, nicht die großen Herausforderungen, die Deinen Führungsalltag bremsen. Wenn Du lernst, diese Muster zu sehen, kannst Du sie verändern und genau dort entsteht Deine neue Wirksamkeit. Mehr Fokus, mehr Ruhe, mehr Entlastung und mehr Führungsfreude sind die unmittelbare Folge.

Wenn Du nicht nur lesen, sondern wirklich verändern willst, dann lass uns sprechen.

Ich begleite Unternehmer und Führungskräfte dabei, ihre Effizienz, Klarheit und Führungsstärke nachhaltig zu steigern: praxisnah, ehrlich und kraftvoll.

Buche Dein unverbindliches Erstgespräch

und entdecke, wie Du in wenigen Wochen deutlich wirkungsvoller führst.

Die Potenzialwerkstatt –> Gute Führung bewegt Menschen.

Abschlussblog – So gelingt der Generationswechsel mit Rückenwind

Was wir gelernt haben

Diese Blogreihe hat gezeigt, warum halbherzige Übergaben gefährlich sind, welche fünf Probleme den Wechsel ausbremsen und wie Verantwortung wirklich übertragen wird. Wir haben gesehen, dass Strukturen, externe Stimmen und klare Meilensteine den emotionalen Prozess in geordnete Bahnen lenken. Und wir haben erlebt, dass die junge Generation Lust statt Frust empfindet, wenn sie echte Gestaltungsmacht bekommt.

Der rote Faden: Eine gute Übergabe ist kein Ereignis, sondern ein Prozess. Er braucht klare Rollen, sichtbare Zeichen des Vertrauens und einen Rahmen, der Konflikte handhabbar macht.

Dein nächster Schritt

Wenn du dich in den beschriebenen Situationen wiederfindest, lohnt sich ein strukturierter Blick von außen. Ein erfahrener Unternehmercoach begleitet euch durch die sensiblen Phasen, übersetzt Emotionen in Spielregeln, moderiert schwierige Gespräche und sorgt dafür, dass Entscheidungen tragfähig werden.

So kann eine Zusammenarbeit aussehen

  • Kick-off mit Klarheitscheck: Rollen, Ziele, Zeitplan, Risiken.
  • 100–300–1000-Tage-Fahrplan: Verantwortungen, Meilensteine, Entscheidungen.
  • Governance aufbauen: Beirat, Meetingformate, Entscheidungsmatrix.
  • Soziales Kapital übergeben: Kunden- und Bankgespräche, klare Ansprechpartner.
  • Mentoring statt Mikromanagement: Sparring für Senior und Nachfolger, Fehlerkultur.
  • Review & Verstetigung: Quartalsweise Auswertung, Kurskorrekturen, Abschluss mit klarem Advisory-Setup.

Warum mit mir

Ich verbinde praktische Unternehmererfahrung mit systemischem Coaching. Mein Fokus: Klarheit, Tempo und Respekt für das Lebenswerk bei gleichzeitig echter Gestaltungsmacht für die nächste Generation. Diskret, wirksam, auf Augenhöhe.

Kontakt

Wenn du den Generationswechsel zügig, fair und zukunftsfähig gestalten willst, lass uns sprechen. Gemeinsam bringen wir Struktur in die Übergabe, damit Verantwortung Freude macht und das Unternehmen gewinnt.

Wie die junge Generation Verantwortung liebt

Zwischen Lust und Last

Nachfolger treten oft mit großen Erwartungen an: Sie wollen gestalten, Innovationen anstoßen, die Firma in eine neue Ära führen. Doch allzu häufig kippt diese Begeisterung schnell in Frust. Der Grund: Sie tragen Verantwortung, dürfen aber nicht frei handeln. Oder sie bekommen zwar Freiheiten, aber keinerlei Unterstützung.

Wenn die Übergabe klug gestaltet wird, kann die junge Generation genau das erleben, was sie antreibt: echte Gestaltungsmacht, begleitet von Vertrauen und Wertschätzung.

Vertrauen sichtbar machen

Worte allein reichen nicht. Mitarbeiter müssen spüren, dass die neue Generation wirklich am Steuer sitzt. Das gelingt durch klare Signale: öffentliche Anerkennung für Entscheidungen, Übertragung von Kundenkontakten oder das symbolische Exit-Datum der Seniorgeneration. Kleine Gesten wie das Entfernen des eigenen Büros aus dem operativen Bereich können große Wirkung haben.

Übergabe des sozialen Kapitals

Kunden, Lieferanten und Banken sind oft jahrzehntelange Partner. Die Übergabe dieser Beziehungen ist ein entscheidender Moment. Wenn Senior und Nachfolger gemeinsam auftreten und klar kommunizieren, dass ab sofort die junge Generation erste Ansprechperson ist, stärkt das nicht nur die Nachfolge, sondern auch das Vertrauen der Partner.

Neue Feedback-Regeln

Damit Lust entsteht, braucht es eine neue Feedback-Kultur. Offene Kritik ist erlaubt aber in klaren Formaten und ohne persönliche Verletzungen. Eine einfache Regel wie „Beobachtung – Wirkung -Wunsch“ hilft, Spannungen sachlich zu halten. So bleiben Diskussionen konstruktiv und die Motivation erhalten.

Mentoring statt Mikromanagement

Die vielleicht wichtigste Aufgabe der Seniorgeneration ist es, in eine Mentorenrolle zu wechseln. Das bedeutet: Erfahrung weitergeben, Ratschläge geben, wenn sie gefragt sind, und den Rücken stärken. Aber nicht mehr jedes Detail kontrollieren. So bleibt das Wissen erhalten, ohne die neue Führung zu blockieren.

Fazit: Lust entsteht durch echte Gestaltung

Wenn Nachfolger erleben, dass sie wirklich gestalten dürfen, wächst ihre Motivation. Verantwortung wird zur Chance, nicht zur Last. Die Seniorgeneration bleibt präsent aber auf eine Weise, die den Übergang stärkt, statt ihn zu verhindern.

Reflexionsfragen für dich

  1. Bekommen die Nachfolger in eurem Unternehmen öffentlich Anerkennung für ihre Entscheidungen?
  2. Habt ihr aktiv Kunden- und Lieferantenkontakte übergeben?
  3. Handelst du heute eher als Mentor oder noch immer als Schattenchef?

Strukturen statt Bauchgefühl – Governance & Beirat

Warum Familie allein nicht reicht

Viele Familienunternehmen leben von Nähe, Vertrauen und gewachsenen Beziehungen. Diese Qualitäten sind ein großes Kapital, können aber im Übergabeprozess schnell zur Falle werden. Wenn Konflikte entstehen, fehlt oft der neutrale Rahmen, um sie konstruktiv zu lösen. Was beim Abendessen beginnt, endet nicht selten im Büro und umgekehrt.

Deshalb sind Strukturen so wichtig. Sie sorgen dafür, dass Konflikte nicht persönlich eskalieren, sondern professionell verhandelt werden.

Externe Stimmen als Neutralisator

Ein Beirat oder Advisory Board wirkt wie ein Schutzschild. Er bringt externe Perspektiven ins Unternehmen und verhindert, dass Diskussionen zu einem reinen Familienkonflikt werden. Besonders wirksam ist ein Mix aus Branchenexperten, Finanzfachleuten und einem erfahrenen Unternehmer, der selbst eine Übergabe erlebt hat.

Diese Stimmen schaffen Distanz. Plötzlich geht es nicht mehr darum, wer recht hat, sondern um das, was objektiv am besten für das Unternehmen ist.

Klare Formate für Meetings

Neben externen Stimmen braucht es feste Strukturen. Ein wöchentlicher Jour fixe, geleitet von der Nachfolge, stellt die operative Steuerung sicher. Quartalsweise Strategiegespräche mit Beirat bringen Tiefe. Und eine klar definierte Sprechstunde des Seniors verhindert, dass er ungeplant ins Tagesgeschäft eingreift.

Übergabeplan mit Meilensteinen

Eine erfolgreiche Übergabe braucht einen Zeitplan, keine endlose Hängepartie. Bewährt hat sich das 100–300–1000-Tage-Modell:
• 100 Tage: erste eigene Entscheidungen, Quick Wins, Verantwortung sichtbar machen.
• 300 Tage: eigenes Budgetjahr, Übergabe wichtiger Kundenkontakte, Strategiezyklus.
• 1000 Tage: klare Advisory-Rolle für die Alteingesessenen, volle Verantwortung bei der Nachfolge.

Governance schützt alle Beteiligten

Klare Strukturen sind kein bürokratischer Selbstzweck. Sie sind ein Sicherheitsnetz für die Familie, für die Mitarbeiter und für die Zukunft des Unternehmens.

Reflexionsfragen für dich

  1. Habt ihr externe Stimmen, die neutral auf eure Situation blicken?
    2. Gibt es feste Meeting-Strukturen, die von allen respektiert werden?
    3. Habt ihr einen klaren Zeitplan für die Übergabe oder verschiebt ihr Entscheidungen immer wieder?

Verantwortung übertragen, ohne loszulassen – Vertrauen ist nicht gleich Abwesenheit

Viele Seniorunternehmer stehen beim Generationswechsel vor einem inneren Dilemma. Auf der einen Seite wollen sie Verantwortung abgeben, auf der anderen Seite fällt es schwer, einfach loszulassen. Das führt oft zu zwei Extremen: Entweder mischen sie sich ständig in Details ein, oder sie ziehen sich vollständig zurück und lassen die Nachfolger im Regen stehen. Beides ist problematisch.

Der Schlüssel liegt in einem ausgewogenen Verständnis von Vertrauen. Vertrauen bedeutet nicht, dass die ältere Generation verschwindet. Es bedeutet, dass sie bewusst Verantwortung überträgt mit klaren Spielräumen, nachvollziehbaren Grenzen und sichtbaren Zeichen.

Entscheidungshoheit konsequent übertragen

Nichts demotiviert so sehr wie Verantwortung ohne echte Entscheidungsmacht. Wer offiziell die Geschäftsführung innehat, muss Budget- und Personalentscheidungen treffen dürfen ohne ständige Rücksprache. Das bedeutet nicht, dass die ältere Generation keine Meinung mehr hat. Es heißt aber, dass Entscheidungen nicht nachträglich revidiert werden dürfen.

Ein hilfreiches Instrument ist die Entscheidungsmatrix. Sie legt fest, ab welchem Betrag oder bei welchen Themen die Nachfolge allein entscheiden darf, wann Konsultation notwendig ist und wann der Beirat einbezogen wird. Diese Klarheit reduziert Konflikte erheblich.

Symbole sind mächtiger als Worte

Neben den Regeln sind sichtbare Zeichen entscheidend. Ein eigenes Büro, die offizielle Ansage vor der Belegschaft („Ab jetzt liegt die Entscheidung bei meiner Tochter/meinem Sohn“), Unterschriftsrechte oder die öffentliche Würdigung von Erfolgen, all das zeigt Mitarbeitern, dass die Nachfolger wirklich am Steuer sitzen. Symbolische Gesten schaffen Vertrauen, wo Worte allein nicht reichen.

Instrumente für den Alltag

  • Delegation Poker: Einmal im Monat definieren Senior und Nachfolger für bestimmte Themen die Entscheidungsstufe – informieren, konsultieren, entscheiden.
  • Sprechstunden-Format: Der Senior bietet wöchentliche Zeiten für Fragen an, greift aber nicht ungefragt in den Alltag ein.
  • Fehlerkultur: Eigene Fehler der Nachfolger sind ausdrücklich erlaubt, solange sie nicht existenzbedrohend sind.

Verantwortung motiviert wenn sie echt ist

Wenn Nachfolger spüren, dass sie wirklich entscheiden dürfen, wächst ihre Motivation. Verantwortung wird dann nicht als Last empfunden, sondern als Chance. Die Älteren bleiben präsent, aber in einer neuen, konstruktiven Rolle.

Reflexionsfragen für dich

  1. Haben die Nachfolger in eurem Unternehmen eigene Budgets, über die sie frei entscheiden dürfen?
  2. Setzt ihr bewusst sichtbare Zeichen, die Unterstützung und Vertrauen verdeutlichen?
  3. Sind Fehler für die nächste Generation erlaubt oder werden sie sofort korrigiert?

Die unsichtbaren Bremsklötze:

Fünf zentrale Probleme im Generationswechsel

Wenn gute Absichten scheitern

Fast alle Familienunternehmer starten mit denselben guten Vorsätzen: „Wir machen das besser. Wir streiten uns nicht. Wir klären alles rechtzeitig.“ Doch sobald der Übergabeprozess beginnt, werden diese Vorsätze von der Realität eingeholt. Plötzlich kommen Emotionen ins Spiel, alte Muster brechen durch, und die eigentlich geplante Übergabe wird zur Belastungsprobe für die ganze Familie.

Dabei sind es erstaunlich oft dieselben Muster, die sich wiederholen. Probleme, die zwar unterschiedlich aussehen können, aber auf dieselben Ursachen zurückgehen: unklare Rollen, fehlende Strukturen und der Wunsch, Kontrolle zu behalten.

Schattenführung: Zwei Chefs sind einer zu viel

Offiziell hat die nächste Generation das Steuer übernommen, praktisch jedoch bleibt die alte Generation im Hintergrund aktiv. Mitarbeiter erleben zwei Machtzentren, die oft widersprüchliche Signale senden. Wer sich an den Senior wendet, bekommt meist eine schnellere Lösung auch wenn diese den Entscheidungen der Nachfolge widerspricht. So wird die Autorität der jungen Führung Stück für Stück untergraben.

Rollenvermischung: Elternteil oder Vorgesetzter?

Besonders in Familienbetrieben verschwimmen Rollen. Was am Esstisch funktioniert, führt im Büro zu Chaos. Wenn Vater oder Mutter jede Diskussion mit Sätzen wie „Ich weiß schon, wie das läuft“ beenden, bleibt kein Raum für eigene Entscheidungen. Umgekehrt wird Kritik an der Arbeit schnell persönlich genommen. Die notwendige Distanz zwischen familiärer Beziehung und professioneller Rolle fehlt.

Kontrollreflex und Mikromanagement

Die Sorge um das Lebenswerk sorgt häufig dafür, dass die Seniorgeneration zu engmaschig kontrolliert. Jede Investition muss freigegeben, jede Entscheidung geprüft, jeder neue Ansatz diskutiert werden. Für die Nachfolger bedeutet das ein Gefühl permanenter Beobachtung. Sie tragen Verantwortung, dürfen aber nicht frei handeln. Das ist ein Nährboden für Frust und manchmal auch für offene Konflikte.

Fehlende Strukturen und Spielregeln

In vielen Familienunternehmen fehlt eine klare Governance. Es gibt keinen Beirat, keine Entscheidungsregeln, keine festen Formate für Gespräche. Alles wird im Vorbeigehen entschieden, oft nach Bauchgefühl. Solange alle an einem Strang ziehen, funktioniert das erstaunlich gut. Doch im Moment der Übergabe offenbart sich diese Schwäche: Ohne klare Strukturen eskalieren Diskussionen, und Entscheidungen hängen am Ende doch wieder an der älteren Generation.

Strategische Bremse durch alte Erfolgslogik

Was in den letzten Jahrzehnten funktioniert hat, wird automatisch für die Zukunft als richtig angenommen. „Wir haben das immer so gemacht“ ist ein Satz, der Innovation im Keim erstickt. Für Nachfolger ist das frustrierend, denn sie sehen die Notwendigkeit von Digitalisierung, neuen Geschäftsmodellen oder internationaler Ausrichtung, stoßen aber immer wieder auf Widerstand.

Reflexionsfragen für dich

1.  Erleben Mitarbeiter in eurem Unternehmen widersprüchliche Botschaften aus zwei Richtungen?
2. Nimmst du Kritik oder neue Ideen manchmal persönlich, weil sie aus der eigenen Familie kommen?
3. Werden wichtige Entscheidungen bei euch nach klaren Regeln getroffen oder eher aus dem Bauch heraus?

Die Falle der halbherzigen Übergabe

Offiziell übergeben – praktisch blockiert: Warum halbherzige Übergaben Familienunternehmen lähmen.

Wenn die Übergabe nur auf dem Papier steht

Die Nachfolge im Familienunternehmen gehört zu den emotionalsten und schwierigsten Momenten in der Unternehmensgeschichte. Auf den ersten Blick scheint alles geregelt: Die Tochter oder der Sohn übernimmt die Geschäftsführung, die Eintragung im Handelsregister ist erfolgt, vielleicht wurde sogar ein feierlicher Übergabeakt mit Mitarbeitern und Partnern veranstaltet. Doch wer genauer hinsieht, erkennt schnell, dass diese Übergabe oft nur auf dem Papier existiert.

Im Alltag greifen Vater oder Mutter nach wie vor ins operative Geschäft ein. Ein kurzer Anruf bei der Produktionsleitung, ein spontanes Gespräch mit langjährigen Kunden oder ein mahnendes Wort im Teammeeting, all das wirkt wie kleine, harmlose Gesten. Doch die Wirkung ist groß: Mitarbeiter spüren sofort, dass die alte Autorität weiterhin präsent ist. Entscheidungen, die offiziell bei der jungen Führung liegen, werden unterlaufen oder gar zurückgedreht. Für die Nachfolger bedeutet das ein ständiger Kampf um Anerkennung und Glaubwürdigkeit.

Warum Loslassen so schwerfällt

Dass dieser Prozess so häufig scheitert, liegt selten am bösen Willen der Eltern. Vielmehr geht es um tief verwurzelte Gefühle. Ein Familienunternehmen ist kein normaler Job, es ist Identität, Lebenswerk und Stolz. Wer sein Leben lang alles gegeben hat, um eine Firma aufzubauen, kann nicht von heute auf morgen loslassen.

Die ältere Generation will schützen, bewahren und verhindern, dass Fehler passieren. Oft steckt dahinter die Sorge: „Ohne mich läuft es nicht.“ Gleichzeitig fällt es schwer, die eigene Rolle neu zu definieren. Wenn man jahrzehntelang das Gesicht der Firma war, fühlt sich der Schritt ins zweite Glied wie ein Bedeutungsverlust an. Offiziell ist die Nachfolge geregelt, praktisch aber bleibt die alte Generation in jeder Ecke spürbar.

Die unsichtbaren Kosten für das Unternehmen

Diese Halbherzigkeit bleibt nicht folgenlos. Sie zieht eine Spur von Unsicherheit durch die gesamte Organisation. Mitarbeiter erleben zwei Machtzentren, die oft unterschiedliche Botschaften senden. Was die neue Geschäftsführung entscheidet, wird von der alten Generation infrage gestellt oder relativiert. Das führt unweigerlich zu Frust, denn warum sollte man einer jungen Führungskraft folgen, wenn man ahnt, dass die alten Chefs am Ende ohnehin das letzte Wort haben?

Die Konsequenzen sind gravierend. Die Nachfolger verlieren Motivation und Freude, weil sie zwar Verantwortung tragen, aber keine echte Gestaltungsmacht haben. Gleichzeitig stagniert das Unternehmen, da mutige Entscheidungen für die Zukunft ausgebremst werden. Innovation, Digitalisierung oder neue Geschäftsmodelle bleiben auf der Strecke, weil das Alte weiterhin funktioniert. Langfristig entsteht ein Klima der Unsicherheit: Talente wandern ab, und das Unternehmen verliert an Wettbewerbsfähigkeit.

Übergabe ist ein Prozess, kein Moment

Eine erfolgreiche Übergabe ist möglich, wenn man versteht, dass sie nicht in einem einzigen Moment geschieht, sondern ein längerer Prozess ist. Der entscheidende Punkt ist nicht, ob Vater oder Mutter noch da sind, sondern wie sie da sind.

Eine Übergabe gelingt dann, wenn klare Rollen definiert werden. Die junge Generation übernimmt operative Verantwortung und trifft Entscheidungen, die für die Zukunft entscheidend sind. Die Älteren hingegen wechseln in eine neue Rolle weniger als Entscheider, mehr als Mentoren, Sparringspartner oder Repräsentanten. So bleibt das wertvolle Wissen im Unternehmen, ohne dass es zur Bremse wird.

Dieser Rollenwechsel braucht Klarheit und Struktur. Nur wenn im Unternehmen offen kommuniziert wird, wer wofür verantwortlich ist, können die Mitarbeiter Vertrauen entwickeln. Übergabe bedeutet also nicht, dass die Seniorgeneration verschwindet, sondern dass sie ihre Kraft in einer neuen, passenden Rolle einsetzt.

Selbsttest: Steckt ihr in der Falle der halbherzigen Übergabe?

  1. Werden Entscheidungen der Nachfolger im Alltag regelmäßig zurückgedreht oder infrage gestellt?
  2. Spüren Mitarbeiter noch immer, dass es zwei Machtzentren gibt?
  3. Hast du als Nachfolger die Freiheit, auch eigene Fehler zu machen oder trägst du Verantwortung ohne echte Entscheidungsgewalt?

Warum er selten gelingt, was auf dem Spiel steht und wie er gelingt.

Zwischen Lebenswerk und Zukunft

Ein Familienunternehmen ist mehr als nur eine Firma. Es ist das Lebenswerk, der ganze Stolz, das, wofür man jahrzehntelang morgens aufgestanden ist. Für viele Unternehmer ist es unvorstellbar, das Steuer einfach aus der Hand zu geben. Und doch kommt unweigerlich der Moment, an dem genau das nötig wird: Die nächste Generation steht bereit, will gestalten, Verantwortung übernehmen und die Firma fit für die Zukunft machen.

Was in der Theorie selbstverständlich klingt, entpuppt sich in der Praxis als eine der größten Herausforderungen, die ein Familienunternehmen meistern muss. Der Übergang von einer Generation zur nächsten gelingt selten reibungslos. Zu oft bleibt die Übergabe halbherzig, Konflikte schwelen im Hintergrund, und am Ende steht nicht selten ein Unternehmen, das langsamer, unsicherer und unattraktiver geworden ist.

Warum die Übergabe so schwierig ist

Die Ursache liegt fast immer in einer Mischung aus Emotion und Macht. Wer eine Firma aufgebaut hat, verbindet damit nicht nur wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch Identität, Werte und persönliche Geschichte. Es fühlt sich an, als würde man einen Teil von sich selbst aufgeben. Hinzu kommt die Sorge, dass die Nachfolger Fehler machen könnten, die das mühsam Erreichte gefährden.

Gleichzeitig drängen Söhne und Töchter darauf, endlich eigene Entscheidungen zu treffen. Sie wollen ihre Ideen einbringen, neue Wege gehen, mutige Schritte wagen. Doch wenn jede Entscheidung von der älteren Generation relativiert oder zurückgenommen wird, entsteht Frust – und manchmal auch Resignation. „Warum soll ich mir das antun?“, fragen sich viele. So verlieren gerade die, die eigentlich Verantwortung übernehmen sollten, die Lust am Unternehmen.

Die unterschätzten Folgen

Ein halbherziger Generationswechsel kostet mehr, als die meisten denken. Er sorgt für Verunsicherung in der Belegschaft, denn niemand weiß, wem man wirklich folgen soll. Er blockiert wichtige strategische Entscheidungen, weil Altes und Neues permanent miteinander konkurrieren. Und er führt nicht selten zu Streit innerhalb der Familie manchmal so heftig, dass selbst das Lebenswerk in Gefahr gerät.

Studien zeigen: Ein großer Teil der Familienunternehmen überlebt den Wechsel von der ersten auf die zweite Generation nicht. Noch weniger schaffen es in die dritte. Das hat selten wirtschaftliche Gründe, sondern fast immer menschliche. Unklare Rollen, mangelnde Absprachen, verletzte Eitelkeiten, all das wiegt schwerer als Zahlen auf dem Papier.

Übergabe heißt nicht loslassen, sondern neu gestalten

Eine Übergabe bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Gründergeneration von heute auf morgen verschwinden muss. Sie kann auch heißen: eine neue Rolle anzunehmen. Nicht mehr operativ bestimmen, sondern als Ratgeber, Sparringspartner oder Mentor an der Seite stehen. Erfahrung bleibt so erhalten, ohne die neue Führung zu erdrücken.

Damit das gelingt, braucht es Klarheit. Klarheit darüber, wer wofür zuständig ist. Klarheit über Entscheidungsspielräume und Verantwortlichkeiten. Und Klarheit über den Zeitpunkt, an dem die alten Chefs offiziell einen Schritt zurücktreten. Eine solche Transparenz schützt nicht nur die Familie vor Konflikten, sondern gibt auch den Mitarbeitern Orientierung und Vertrauen.

Worauf du dich in dieser Blogreihe freuen kannst

In den nächsten Wochen widmen wir uns Schritt für Schritt den wichtigsten Fragen:

  • Blog 1: Warum halbherzige Übergaben so gefährlich sind
  • Blog 2: Fünf zentrale Probleme, die fast jede Nachfolge blockieren
  • Blog 3: Wie Verantwortung wirklich übertragen wird, ohne Vertrauen zu verlieren
  •  Blog 4: Welche Rolle Strukturen, Beiräte und Governance spielen
  •  Blog 5: Wie die junge Generation Lust statt Frust erlebt, wenn sie das Unternehmen übernimmt

Reflexionsfragen zum Start

  1. Ist bei euch im Unternehmen klar, wer wirklich entscheidet oder spüren Mitarbeiter zwei Machtzentren?
  2. Habt ihr eine gemeinsame Vision für die Zukunft oder verteidigt jeder nur seine Sichtweise?
  3. Gibt es einen klaren Plan für die Übergabe oder vertraut ihr auf das Prinzip „Es wird sich schon ergeben“?

 

Führung im Fachkräftemangel: Warum gute Mitarbeiter gehen und wie kluge Führungskräfte Fluktuation stoppen

Im Zeitalter des Fachkräftemangels ist Mitarbeiterbindung keine „nice-to-have“-Disziplin mehr, sondern Überlebensstrategie. Unternehmen, die ihre Führung nicht konsequent hinterfragen, verlieren im Kampf um Talente.
Das Problem: Viele Führungsfehler passieren unbemerkt und kosten Top-Mitarbeiter, lange bevor die Kündigung auf dem Tisch liegt.

  1. Mikrofrustrationen, der schleichende Führungsfehler

Häufig sind es nicht dramatische Konflikte, sondern die Summe vieler kleiner Ärgernisse, die Mitarbeiter demotivieren: schlecht organisierte Meetings, widersprüchliche Anweisungen, langsame IT oder unklare Verantwortlichkeiten. Wenn Führungskräfte diese Alltagsprobleme ignorieren, sendet das die Botschaft: „Eure Zeit ist uns egal.“

Lösung für Führungskräfte:

  • Regelmäßig kurze Feedback-Schleifen („Was hält dich gerade auf?“)
  • Sofortmaßnahmen bei wiederkehrenden Störungen
  • Verantwortung klar zuweisen, wer kümmert sich bis wann um welches Problem?
  1. Fehlende Entwicklungsmöglichkeiten trotz Fachkräftemangel

Im Fachkräftemangel wirkt Stillstand wie ein Kündigungsbeschleuniger. Mitarbeitende wollen nicht nur einen Job, sondern einen Entwicklungspfad. Doch viele Führungskräfte verwechseln Mitarbeiterbindung mit „wir zahlen gut und lassen in Ruhe“.

Besser führen heißt:

  • Auch ohne Beförderung echte Lern- und Wachstumschancen bieten
  • Fachkarrieren und Expertenlaufbahnen etablieren
  • Mitarbeiter in Projekte einbinden, die ihre Fähigkeiten erweitern
  1. Wenn Mitarbeiter nicht das Unternehmen, sondern ihre Führung verlassen

Studien belegen: Der häufigste Kündigungsgrund ist nicht das Unternehmen, sondern der direkte Vorgesetzte. Fehlende Anerkennung, mangelnde Kommunikation oder Konfliktvermeidung sind klassische Führungsfehler, die im Fachkräftemangel besonders fatal sind.

Konkrete Führungsmaßnahmen:

  • 360°-Feedback nutzen, um blinde Flecken zu erkennen
  • Kontinuierliche Führungskräfteentwicklung – nicht nur einmalige Seminare
  • Gespräche führen, bevor Probleme eskalieren

  1. Werte predigen, aber nicht leben

Unternehmen schreiben gerne „Teamgeist“ und „Offenheit“ in ihre Leitbilder – aber wenn Führungskräfte Entscheidungen im Alleingang treffen oder Kritik abblocken, bricht das Vertrauen. Diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität ist ein massiver Bindungskiller.

Führungspraxis:

  • Werte im Alltag vorleben z.B.: pünktlich, transparent, respektvoll
  • Verhalten an den Unternehmenswerten messen, nicht nur an KPIs
  • Raum für ehrliches Feedback ohne Angst vor Konsequenzen schaffen
  1. Die stille Abwanderung von Leistungsträgern

Top-Mitarbeiter kündigen selten laut, sie suchen leise nach Alternativen. Oft, weil ihre Mehrleistung selbstverständlich wird, ohne dass Führungskräfte gezielt investieren.
Im Fachkräftemangel ist das wie ein Eigentor: Man verliert ausgerechnet die, die am meisten zum Unternehmenserfolg beitragen.

Führungstipp:

  • High Performer aktiv identifizieren und persönlich fördern
  • Anerkennung nicht nur in Geld, sondern in Verantwortung, Sichtbarkeit und Einfluss geben
  • Frühwarnsignale wie Überlastung oder sinkende Beteiligung ernst nehmen
  1. Sinn als strategischer Faktor in der Mitarbeiterbindung

Gerade im Fachkräftemangel entscheiden sich Fachkräfte für Arbeitgeber, deren Ziele sie verstehen und mittragen können. Wenn Führungskräfte den Sinn hinter Aufgaben nicht vermitteln, entsteht Austauschbarkeit.

So schafft Führung Sinn:

  • Unternehmensvision greifbar machen und in den Alltag übersetzen
  • Den Beitrag jedes Mitarbeiters sichtbar machen
  • Mitgestaltungsräume eröffnen, statt nur Aufgaben zu delegieren

Fazit: Führung entscheidet über Bleiben oder Gehen

Führung im Fachkräftemangel erfordert mehr als operative Steuerung – sie ist Bindungsarbeit. Wer Führungsfehlerignoriert, riskiert nicht nur höhere Fluktuation, sondern den Verlust seiner wertvollsten Ressource.
Die Kernfragen für jede Führungskraft lauten:

  • Beseitige ich aktiv Mikrofrustrationen?
  • Biete ich Perspektive – nicht nur Position?
  • Stimme ich mein Handeln mit den Unternehmenswerten ab?

Wer hier konsequent handelt, baut nicht nur eine loyale Mannschaft auf, sondern positioniert sich als Arbeitgeber, der im Fachkräftemangel gewinnt.

 

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  • Geschäftsführer Dieter Schnaubelt
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